[photopress:HurtigrutenOsloAnkunft.jpg,full,alignleft]Soeben zurückgekehrt von einer Kurzreise Kiel-Oslo-Kiel mit der Color Fantasy gibt es wieder neue Einsichten. Jene Hurtigrutenkunden, die mit der Color Line Fähre über Oslo und dann mit der Bergenbahn zu ihrem Postschiff in Bergen gelangen möchten, sollten sich diese Anfahrt gut überlegen. Einige Dinge sprechen zwar dafür, andere aber eben nicht (jedenfalls aus unserer Sicht, und wir sind die Kiel-Oslo Strecke x-mal gefahren). Die Nachteile: man bucht die Fähre zum pauschalen Paketpreis ohne Mahlzeiten, wobei man nicht von etwaigen Sparangeboten der Color Line profitieren kann. Die Mahlzeiten sind allerdings auch alles andere als spannend, aber versorgen muss man sich ja irgendwie. Unser Tipp: statt die teuren Standardbuffets zu buchen, schmiert man sich besser ein Brot mit Elchschinken und Lachs (bis aufs Brot im Duty Free Shop erhältlich). Die Getränkepreise orientieren sich an norwegischen Inlandspreisen und nicht an zollfreien, wie es sein müsste. Auch hier ist der Gang in den Duty Free Shop ein guter, und Würfeleis für die Kabine besorgt man sich in der Bar. Um nicht falsch verstanden zu werden, wir empfehlen nicht, die Sparnummer zu machen, sondern weisen lediglich auf einige Umstände hin. Wer seinen Spass daran hat, kann auf den Schiffen der Color Line kräftig konsumieren, interessante Menschen beobachten und das Entertainmentprogramm auskosten. Man erkennt den Typus der Reisenden. Hurtigrutenkunden an den Gesprächen der meist kleineren, zusammenreisenden Grüppchen im besten Alter. Vorwiegend Senioren in wetterfester Expeditionskleidung der norwegischen Eisklasse 1C mit praktischen Rollkoffern trollen sich nahe des Gates zusammen und fachsimplen. An dem Hurtigruten Kofferanhänger bestätigt sich jedesmal die Ahnung. Später, unterwegs längs Langeland, hört man dann auch mal: “Ist das jetzt Dänemark?”. Meistens sind die Hurtigrutler aber bestens informiert. Die anderen Reisenden sind nichtskandinavische Handwerker auf dem Weg zum Job, amüsierfreudige Pärchen und am Wochenende viele Norweger, die sich auch mal das Käntchen geben wollen (die Auswirkungen sind aber nicht mehr so schlimm wie früher, da die Security enorm aufgeholt hat). Wenn man Entertainment mag, so ist dieses qualitativ nicht auf dem schlechtesten Niveau. Mit einer Kreuzfahrt hat die Überfahrt aber wenig zu tun. Da fehlt einfach der Service, wenn die Crewmitglieder weitestgehend auch freundlich und hilfsbereit sind. Remmidemmi mit Clownerie und Harlekinen gibt es so auch nicht auf einem klassischen Kreuzfahrtschiff, geschweige denn auf anderen Fähren oder den Postschiffen der Hurtigruten. Und genau deshalb will man ja auf die schöne Seereise.
Die Überfahrt geht auch schnell vorbei, und in Oslo angekommen sucht man nun den Bus, der einen nach vorangehender Stadtrundfahrt zum Hotel bringt. Nicht so einfach, da keiner der Reisebusse ein Hurtigrutenschild trägt. Da muss man schon ein- bis zweimal fragen. Ich frage nicht lange und – obwohl ich mich eigentlich mit einigen Hotelbesichtigungen updaten wollte – schleiche mich in eine den Bus besteigende Minigruppe, um das Procedere nachvollziehen zu können, also wie ein Hurtigrutenkunde vom Schiff über die Stadtrundfahrt dann schliesslich zum Hotel kommt. Aber denkste, fast bin ich an der Transfervoucher-Entgegennehmerin vorbei (“ja ich gehöre zu dieser Gruppe”), da dreht sich so eine Zicke um und behauptet, dass ich nicht zu ihr gehöre. Fehlgeschlagen und ich nehme den Stadtbus, um meinen Geschäften nachzugehen.[photopress:HurtigrutenOsloFramMuseum.jpg,thumb,alignright]
Jedenfalls erreichen die Hurtigrutengäste mit ziemlicher Sicherheit ihr gebuchtes Hotel (man nehme unbedingt das Thon Opera oder Royal Christiania, da zu Fuss nur ein paar Schritte zum Bahnsteig nach Bergen).
Was soll man dann in Oslo unternehmen, nachdem man per Stadtrundfahrt schon beinah alles gesehen hat. In die Oper und dinieren oder umgekehrt? Mangels Erfahrung und Ortskenntnis werden die meisten Reisebüros kaum etwas entsprechendes angeboten haben, und so wird der Abend entweder langweilig, teuer oder beides. Nun ja, morgen geht es ja schon auf die Bergenbahn, das wird doch sehr spannend. Da es in Norwegen bis dato weder Gepäckträger gibt noch auffindbare Gepäckwagen (ausser am Flughafen), geht das Geschleppe von vorne los. Vorsicht übrigens vor einem der neuesten Tricks im Osloer Bahnhof: Hurtigrutenreisende werden auch dort schnell ausgemacht, und wenn sie ihren gebuchten Platz suchen, kann die kleine Reisetasche schnell angezapft werden, die mit den Dokumenten oft vom weiblichen Part transportiert wird, und dieser ohnehin schon vom Gatten aufgrund seiner hektischen Anweisungen mehr als abgelenkt ist. Wer sich dann aus Zeitmangel – weil Zug gleich abfährt – nicht mehr an die Polizei wenden kann, hat es nachher schwer mit der Reisegepäckversicherung, falls abgeschlossen.
OK – nun um zehn Uhr morgens geht es los, um mit der Bahn in Bergen gegen 17 Uhr anzukommen. Danach gleich zum Schiff. Wieder schlecht beraten ist, der keinen Hinweis auf eine frühere Bergenbahn von seinem Reisebüro erhalten hat. Man könnte ja auch noch etwas in Bergen unternehmen. Aber dagegen spricht natürlich, dass der Transfer vom Bergener Bahnhof zum Schiff nicht zur vorgegebenen Zeit in Anspruch genommen werden kann und damit verfällt. Weil die Leistung bezahlt wurde, haben die Leute dann auch schon mal 2 Stunden am Bahnhof auf ihren Transferbus gewartet, anstatt sich für 10 Euro ein Taxi zum Schiff zu nehmen, das Gepäck aufzugeben und sich dann die Stadt anzusehen. Extrem Informierte sind teilweise ganz anders drauf. Die wissen von dem frühen Zug Oslo-Bergen und wählen diesen, nicht in etwa, um noch etwas von der Stadt in den sieben Bergen zu sehen, sondern? Was könnte es wichtigeres geben als die Reservierung für die frühe Dinnerzeit, denn in der Hauptsaison wird auf den Hurtigruten abends in zwei Sitzungen gegessen, einmal um 18.30h und wieder um 20.30h. So steht bei einigen (wenigen) statt Sightseeing rechtzeitiges Vorsprechen beim Restaurantchef im Vordergrund, um sich das frühe Abendbrot mit gutem Aussichtsplatz zu sichern. Allerdings ist das alles nicht so wichtig, weder Essenszeit noch Fensterplatz . Aus unserer Erfahrung entscheidender für die Wahl einer frühen Bergenbahn ist die Tatsache, dass, wenn alle gleichzeitig ankommen, auch alle gleichzeitig den Transferbus nehmen und am Hurtigruten Terminal alle gleichzeitig zum Check-in drängeln. Entspannt beginnt die Seereise so jedenfalls nicht, daher: Oslo früh verlassen.
Ein wenig strapaziös ist die Anreise zu den Hurtigruten per Fähre und Bahn schon. Für diejenigen, die ihr Gepäck an den einzelnen Stationen nicht immer selbst tragen wollen, für die, die alles unkompliziert haben müssen und für alle, die sowieso immer alles zu genau nehmen.
Entspanntere Menschen, Frohnaturen, die für eine unterhaltsame Anreise auch die zuvor beschriebenen Nachteile in Kauf nehmen können wissen ja jetzt worauf es ankommt. Und noch etwas gilt es zu beherzigen auf der Strecke Oslo-Bergen. Während der immerhin 7 Stunden Bahnfahrt bekommt man automatisch Hunger und Durst. Koste es was es wolle, ein Lunchpaket vom (guten) Hotel für diesen letzten Anreisetag ist unumgänglich und vermutlich wertschöpfender als die Kost im Bistro der norwegischen Staatsbahn. Unbedingt am Abend vor der Bahnreise bestellen.
Die Strecke der Bergenbahn führt unter anderem über das Hochplateau der Hardangervidda und bietet vielfältige Ansichten der südnorwegischen Landschaft. Es gibt hier noch einen äusserst wertvollen Tipp, den ich wieder mal aus eigener Erfahrung geben kann. Mit Buchung der Bergenbahn erhält man automatisch einen reservierten Platz. In Fahrtrichtung oder voll dagegen. Im zweiten Fall werden Sie die Folgen der Kopfverrenkungen auch auf einer 12-tägigen Hurtigrutenreise nicht mehr los. Gegen einen schlechten Platz im Zug lässt sich im Voraus nichts unternehmen. Nach dem norwegischen Gleichberechtigungsprinzip ist es inbegriffen des Königs nicht möglich, einen Sitzplatz in Fahrtrichtung zu buchen (dieser bucht dann vielleicht lieber gleich ein ganzes Abteil, um auf der sicheren Seite sitzen zu können). Sofern der Zug nicht ganz ausgebucht ist, verfährt man so: frühzeitig den reservierten Sitzplatz suchen. Wenn in Fahrtrichtung, dann gemütlich machen. Wenn nicht, den Partner bzw. die Partnerin dort mitsamt Gepäck abstellen und den Zug durchstreifen. Bei Sichtung von in Fahrtrichtung liegenden Plätzen, die nicht als reserviert gekennzeichnet sind, gleich besetzen und Partner/in inkl. Gepäck per Handy dort hin beordern, oder ähnlich. Wenn wir hier übrigens Tipps geben, die nicht im Reiseführer stehen und die Sie auch nicht in dem Reisebüro Ihres Vertrauens erhalten, wundern Sie sich nicht. Jeder darf gerne aus unserer Erfahrung lernern. Es uns schon ein Anliegen von Herzen, dass hurtigruteninteressierte Menschen nicht zigmal über den Tisch gezogen werden. Und schon gar nicht von Reisbüros, die unter anderem auch Hurtigruten verkaufen, mit ihrem Halbwissen aber ungewollt nicht gerade hilfreich sind. Vielleicht ist eine/r von tausend dieser Reiseverkäufer/innnen einmal nachts auf allen Decks eines Hurtigrutenschiffes von vorn bis hinten durchgelaufen – weil er seine Kabine nicht finden konnte? Wir unternehmen solche Exkursionen gezielt, damit unsere Kunden wissen, welche Kabinen schlecht und laut gelegen sind und nicht, damit wir uns selbst besonders gut amüsieren. Wer sieht sich alle Frühstücksbuffets der empfohlenen Hotels in den einzelnen Städten persönlich an, geschweige denn, dass er alle wichtigen Hurtigrutenhotels überhaupt jemals betreten hat? Genug des Eigenlobs, es geht hier ja nicht um solche Belanglosigkeiten sondern um das essentielle Erlebnis, die Hurtigrute.
Der Weg dorthin kann ein wenig mühsam sein aber auch lohnenswert, wenn man die Regeln kennt. Am schnellsten und günstigsten ist meist der Flug. Wer jedoch nicht fliegen möchte, für den gibt es noch einige Alternativen: zum Beispiel die Bahnanreise von Deutschland über Schweden und Norwegen nach Bergen, die Autoanreise oder die Fähre von Norddänemark direkt nach Bergen.
Dies waren unsere Hinweise für heute. Infos wie immer auch telefonisch unter 040-892232 oder hurtigruten@norwegen.de